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Schloss Deufringen - Wo Geisterspuk Legende ist

Im Jahre 1980 wird das Schloss zum Bürgerzentrum umgebaut

Quelle: Sindelfinger Zeitung vom 23.August 1980

Text: Evelyn Schlottke

Foto: Das renovierte Schloss in der Ortsmitte von Deufringen

"Deufringen liegt 449 Meter über dem Meer im tiefeingeschnittenen Tal des Saubachs, auch Irm genannt, welcher in Gechingen entspringt, durch das zwischen Gechingen, und Deufringen liegende Wiesental fließt, sodann das hiesige Tal durchläuft und dasselbe in zwei ziemlich gleiche Hälften scheidet...". So steht es geschrieben in einer 1938 verfassten Chronik des Schultheiß a.D. Kahler. Im 14. Jahrhundert vermutet man den Bau eines Schlosses, das gemeinsam mit der Kirche den eigentlichen Ortsmittelpunkt bildet, um den herum sich das Dorf weiter entwickelte.

Viel hat sich im Laufe der Jahrhunderte im ehemaligen Flecken getan, neue Gebäude im Bereich des Schlosshofes kamen hinzu, Wege wurden zu Straßen, fürstliche Herrschaften lösten sich ab. Hungersnöte, Kriegswirren, Unwetter und Seuchen gingen auch an Deufringen nicht spurlos vorbei. Seit dem Umbau des Schlosses im Jahre 1592 in sein bis heute erhaltenes Erscheinungsbild, ist es ein Monument der bewegten Geschichte.

Als Erbauer des heutigen Schlosses wird Jakob von Gültlingen angesehen, dessen Geschlecht den Lehenbesitz von 1402 bis 1699 innehatte, bevor Johann Conrad von Gültlingen den Flecken an das Haus Württemberg abgab.

Vom Adelssitz zum Pfarrhaus
Gehen wir zur Geschichte des heutigen Schlosses zurück. Der Erbauer Jakob von Gültlingen bemühte den berühmten Baumeister Schickhardt beim Bau des monumentalen Gebäudes, das südöstlich der Pfarrkirche am Hang gelegen ist. Nachdem die Herren von Gültlingen Deufringen an das Haus Württemberg weitergegeben hatten, wurde bis zum Jahre 1726 Geheimrat von Schüz mit dem Flecken belehnt, der ihn dann jedoch an den Herzog zurückgab. 1746 wurde das Schloss zum Pfarrhaus umgebaut. Es blieb in Besitz des Landes bis 1976, solange stand es auch der evangelischen Kirchengemeinde zur Verfügung.

Das Geschlecht derer von Gültlingen war nicht nur über Jahrhunderte in Deufringen ansässig, es bescherte dem Schloss auch einen Schlossgeist. Noch heute erzählen sich die Deufringer die Geschichte vom Schorndorfer Obervogt Jakob von Gültlingen, der in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober 1600 seinen Freund Konrad von Degenfeld aus Versehen erstach. Er sah den Nachtwandler für ein Gespenst an, denn dieser hatte sich in sein Deckbett gehüllt. Nach vorangegangenem ausgiebigem Gelage, durchbohrte Jakob von Gültlingen wohl in voller Trunkenheit seinen Freund, was er mit dem Tode büßen musste. Am 15. Oktober 1600 verfügte Herzog Friedrich seine Hinrichtung, ohne Gericht und Urteil. Sein Grabstein ist heute noch in der Deufringer Pfarrkirche zu besichtigen.

Ob Jakobs Geist auch in unseren Tagen noch im Deufringer Schloss spukt, ist nicht bekannt. Wenn ja, dürfte er derzeit jedoch ziemlich gestört sein in seinen Gemächern, denn umfangreiche Renovierungsarbeiten sind an dem Gebäude im Gange.

Umbau zum Bürgerhaus
Am 3. Februar 1977 kaufte die Gemeinde Aidlingen das Deufringer Schloss vom Land Baden-Württemberg für eine Summe von 270.000 DM1*, in der Absicht, dort das Rathaus unterzubringen. Im Rahmen der Ortskernsanierung war geplant, das alte Rathaus abzubrechen. Allerdings bestand das Landesdenkmalamt auf dessen Erhalt. So wird die 0rtsverwaltung nun weiterhin in dem gerade renovierten Gebäude in der Gechinger Straße verbleiben und das Schloss wird nach Abschluss der Umbaumaßnahmen als Bürgerhaus dienen.

Imponierendster Raum im Schloss ist der gewaltige Keller mit einem neu ausgefugten Gewölbe, er wird künftig als Versammlungsraum dienen. Bereits in den Eingliederungsvereinbarungen mit Deufringen war ein Versammlungsraum zugesagt worden, nun wird er Wirklichkeit. Eine versteckte Wendeltreppe führt vom Keller direkt in das ehemalige Schlafgemach des Fürsten.

Im ersten Obergeschoss wird ein kleiner Saal künftig den Vereinen für Proben zur Verfügung stehen. Auch der Aidlinger Gemeinderat wird hier ab und zu tagen. Die Ortsbücherei kann ebenfalls auf diesem Stockwerk ein neues Domizil finden und in der kleinen Kapelle werden Künstler die Möglichkeit haben, ihre Werke auszustellen.

Unvorhergesehenes kann es bei Schlossrenovierungen immer wieder geben und auch in Deufringen gab es eine Entdeckung: Kurz vor dem Ende der Treppe im runden Treppenturm wurden Fresken2* aus der Zeit um 1600 entdeckt. Vermutet hatte man derartige Kostbarkeiten bereits 1971, als im Zuge der Erneuerung der Kirche Bemalungen an Decke und Wänden zutage getreten waren. Restaurator Malek und dessen Ehefrau gaben den Rosetten, Ranken und Voluten3* in der Kirche neuen Glanz, sie legten gleichzeitig im Schloss ein kleines Stückchen Wand frei und wurden fündig.

Wie vor Jahrhunderten soll auch der Schlosshof wieder zum Mittelpunkt des Ortes werden, ein verschütteter Brunnen kommt zu neuen Ehren, ein neuer Belag wird auch kleine Feste ermöglichen.

1

nach heutiger Währung etwa 138.050

2

auf den feuchten Putz aufgebrachte Wandmalereien

3

schneckenförmige Verzierung

Der Text wurde gekürzt

Mit freundlicher Genehmigung der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung

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