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Herrenberg>>Ammertalbahn
Am 1. Mai 1910 war die Ammertalbahn fertig

Die Postkutsche hatte ausgedient

Quelle: Das 20. Jahrhundert im Spiegel der Zeit. Der Kreis Böblingen im Rückblick von 100 Jahren. Röhm Verlag, Sindelfingen 1999, S. 29

Bild: Die Bauarbeiten für die Ammertalbahn liefen 1909 auf Hochtouren. Der Teilabschnitt bis Pfäffingen wurde im gleichen Jahr eingeweiht. (Bild: STA Herrenberg)

Großer Bahnhof am Bahnhof: Die Ammertalbahn wurde am 1. Mai 1910 eröffnet. Die Teilstrecke von Herrenberg bis Pfäffingen war ein Jahr zuvor in Betrieb gegangen. Seither gehörte die Postkutsche zwischen der Gäustadt und Tübingen der Vergangenheit an.

Um die Jahrhundertwende wurde eine Idee von Otto Elben aufgegriffen: Von der 1879 eröffneten Gäubahn als „Stammbahn" sollten „Zweigbahnen" abgehen, um die abgelegenen Gebiete für den Verkehr zu erschließen. Pläne bestanden damals für eine Nebenbahn nach Pforzheim über Weil der Stadt und durchs Würmtal mit Sonderanschluss Ehningen. Ferner sollte die Gäubahn in Richtung Calw und Wildberg mit der Nagoldbahn verbunden werden.

Diese Pläne blieben in der Schublade: Durchsetzen konnte sich lediglich die Strecke von Herrenberg nach Tübingen. Der wirtschaftliche Aufschwung um 1890 hatte sein Übriges getan: Damit hatten die Herrenberger „deren Wünsche bis dahin unter der Asche fortgeglommen haben, wieder Hoffnung auf Verwirklichung ihrer Wünsche fassen können", hieß es in einem Zeitungsartikel von 1902.

Bild: Auf der alten Postkarte ist die Streckenführung der Ammertalbahn von Herrenberg nach Tübingen gut zu erkennen. (Aus: Herrenberg – Stadt und Amt in alten Ansichtskarten, hrsg. von T. Schmolz und R. Janssen, Herrenberg 1988, S. 126) - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern

30.165 Quadratmeter Grund und Boden kaufte die Gemeinde auf Herrenberger Gemarkung für die Bahn. 1905 wurde die Trasse zum Eisenbahnbau zwischen Herrenberg und Tübingen ausgesteckt. Im September 1907 waren die Bauarbeiten bis Gültstein fast fertig. Von kleineren Verzögerungen ist bereits damals die Rede: Das ist heute wieder der Fall, wo die Strecke entlang der Ammer zur Uni-Stadt reaktiviert werden soll.1* Mit dem Verlegen von neuen Gleisen war es allerdings nicht getan. Der Herrenberger Bahnhof musste erweitert werden. Vor allem die Böblinger Zuckerrübenfabrik drängte auf ein zweckmäßig gelegtes Verladegleis, da im Herbst zwischen 90 000 und 100 000 Zentner Rüben angeliefert wurden. Geleiserweiterungen, Stellwerk, Unterführungen, Lokschuppen mit Wasserturm und Drehscheibe sowie die Umbauten am Bahnhofsgebäude selbst gingen dennoch rasch voran. An den Kosten von 11 400 Mark beteiligten sich nicht nur Stadt und Amt, sondern auch die Gemeinden Affstätt, Kuppingen, Oberjesingen und Oberjettingen - der Bahnhof galt als Gemeinschaftsprojekt. Die Bevölkerung nahm lebhaft Anteil, als die Dampflok anno 1909 erstmals bis Pfäffingen fuhr.

Am 1. Mai 1910 war es soweit: Die Ammertalbahn war fertig. Ein Jahr später fuhr bereits die Schönbuchbahn. Allerdings fehlte eine Übernachtungsmöglichkeit für das Zugpersonal. Im Aufenthaltslokal des Stationspersonals wurde für Lokomotivführer und Heizer der Nebenbahnen provisorisch ein Raum abgetrennt. Die Euphorie für die Ammertalbahn ließ im Lauf der Zeit nach: Am 24. September 1966 wurde der Personenverkehr zwischen Herrenberg und Entringen eingestellt. 1973 demontierte die Bahn die Gleise zwischen Herrenberg und Gültstein.

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Am 31. Juli 1999 wurde die reaktivierte Ammertalbahn zwischen Herrenberg und Tübingen der Öffentlichkeit übergeben.

Mit freundlicher Genehmigung der Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung.

Einen kurzen Überblick über die Eisenbahngeschichte im heutigen Landkreis Böblingen mit Links zu weiteren Eisenbahnthemen auf www.zeitreise-bb finden sie hier.

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