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Das Herrenberger Schloss

Quelle: Denkmale in der Nachbarschaft - gesehen und besucht im Kreis Böblingen. Röhm Verlag Sindelfingen 1990, S. 30-31.

Text: Helmut Maier
Bild: Ansicht der unzerstörten Herrenberger Schlossanlage auf dem Kupferstich von Mathäus Merian aus dem Jahre 1643. (Bild: Archiv Herrenberg). Für eine Gesamtansicht des Merian-Stiches klicken Sie bitte in das Bild.

Was einmal vor tausend Jahren unser Abendland formte, die Dreiheit von Adel, Kirche und Bürgertum, ist auch heute noch auf einen Blick in der Stadtanlage Herrenbergs ablesbar. Unten am Markt mit den Bürgerhäusern, in der Mitte die gewaltige Stiftskirche, oben auf dem Berg das ehemalige Schloss der Pfalzgrafen.

Vom 28. März 1228 stammt die Urkunde des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen (Castrum nostrum Herrenberg). Er ist der Begründer der tübingisch-herrenbergischen Linie, dieses weitverzeigten Pfalzgrafenhauses. Das ist der erste Hinweis auf Schloss Herrenberg. Etwa 150 Jahre waren Burg und Stadt im Besitz der Familie. Häufige Teilungen sorgten für das Ihre, und am 16. Februar 1357 war Herrenberg selbst der Gegenstand einer brüderlichen Teilung zwischen den Pfalzgrafen Rudolf und Konrad.

Das Jahr 1382 brachte den Verkauf der pfalzgräflichen Besitzungen an den Grafen Eberhard von Württemberg und dessen Sohn Ulrich. Die alte Herrlichkeit und Hofhaltung auf dem Herrenberger Schloss lag nun in der Verwaltung eines württembergischen Obervogts. Graf Ludwig von Württemberg verschrieb Herrenberg als Witwensitz für seine im Jahre 1434 angetraute Gemahlin Mechthild, Tochter des rheinischen Pfalzgrafen Ludwig. Diese Verfügung wurde allerdings später wieder abgelöst. Wir wissen, dass Mechthild ihren Witwensitz dann tatsächlich im Schloss Böblingen hatte.

Bild: Wiederaufbau des Westturmes im Jahre 1957. Gut zu erkennen ist das rundgemauerte Gewölbe über dem ehemaligen Verlies. (Foto: Archiv Herrenberg)

Schildmauer erhalten
Auf dem Merian-Stich des Jahres 1643 ist das Schloss Herrenberg noch unversehrt zu sehen. Es bestand aus zwei kräftigen Türmen mit tiefem Verließ, einem Wohnhaus und weiteren Wirtschaftsgebäuden, durch eine Ringmauer zusammengefasst. Ein sogenannter Zwinger umgab das Bauwerk als zusätzlicher Schutz. Von den mittelalterlichen Gebäuden und Befestigungswerken der Burg ist heute als sichtbares Zeichen ein etwa 20 Meter langes Stück der nahezu drei Meter mächtigen Schildmauer an der nördlichen Hangkante erhalten. Dazu kommen Reste der ehemaligen Ringmauer, die am Hang als Stützmauer altes Steinmaterial aufweisen.

Der Schlossbergaussichtsturm - 1957 durch starkes Engagement der Herrenberger Bürgerschaft errichtet - steht auf dem Stumpf des früheren Pulverturmes des Schlosses. In diesem tief in den Berg hineinreichenden Teil befindet sich heute noch das rundgemauerte Verließ. In einem der zwei großen Schlosskeller lädt heute das Ausflugslokal mit gleichem Namen zur Einkehr ein.

Zu beschwerlich
Noch 1623 und 1624 weiß man, dass der damalige württembergische Herzog sich seines Schlossbesitzes in Herrenberg erinnerte und das Schloss als Jagdaufenthalt bei den Schweins- und Wolfsjagden im wildreichen Schönbuch benutzte. In späteren Jahren soll dem hohen Herrn der Berg zu beschwerlich gewesen sein, sodass er in der Vogtei, dem früheren Oberamtsgebäude, seine Wohnung wählte.

1635 sah das Schloss zum zweiten Mal auf die in Schutt und Asche sinkende Stadt. Mit der Stiftskirche, dem Dekanat und einigen wenigen Bürgerhäusern überdauerte es unbesiegt diesen gewaltigen, vernichtenden Stadtbrand. In den folgenden Jahren diente das Schloss auch nicht mehr als Amtssitz der Obervögte. Diese führten ihre Geschäfte im Amtshaus der Vogtei. So waren es die Schlosswächter, die vom hohen Schloss aus aufpassen mussten, "ob in allen Örtern des Feldes und der Nachbarschaft, besonders aber in der Stadt selbsten nicht Rauch oder Feuer oder sonstwas Argwöhnisches ausginge". Das im Schloss befindliche Glöckchen musste solange läuten, bis ihm der Torwart auf dem Tübinger Tor mit dem dortigen Glöcklein Antwort gab.

Als weiterer Dienst des Hochwächters kam Tag und Nacht das stündliche Anschlagen der Glocken mit der Hand. An seine Stelle trat dann später eine Signalkanone, die in einem kleinen Zeughaus auf dem Kanonenbuckel (daher der Name auch heute noch) aufgestellt war. Dieser trug schon im 14. Jahrhundert die "hintere Burg".

Bild: Modell des Schlosses im Herrenberger Stadtmuseum. Das Modell entstand nach Vorlagen des ehemaligen Stadtarchivars Traugott Schmolz, der sich jahrzehntelang mit dem Herrenberger Schloss beschäftigt hat.

Spitzhacke schlägt zu
Es wurde ruhig um das Schloss. Und als Württemberg Königreich von Napoleons Gnaden wurde, da war sein Schicksal besiegelt. Es wurde von der Herrschaft Württemberg im Jahre 1807 auf den Abbruch verkauft. Der selbe König schleifte ja auch die Stammburg seines Hauses, um auf dem jetzigen Rothenberg ein romantisches Grabmal zu errichten. Das Schloss ging ungebrochen, in keinem Kampf erobert oder gar zerstört, in die Hände des Herrenberger Bürgers, der es nun durch die Spitzhacke in eine Ruine verwandelte. Auf dem Platz, der durch die Abtragungen entstand und etwa 800 Meter lang und 300 Meter breit ist, fanden dann schon Ende des letzten Jahrhunderts die kleinen Festlichkeiten der Herrenberger Bürger statt.
Mit freundlicher Genehmigung der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung und des Autors

Artikel zum Schloss Herrenberg bei Wikipedia
Herrenberg



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