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Zur Schulgeschichte von Mönchberg

Quelle: Beiträge zur Schulgeschichte des Kreises Böblingen von der Reformation bis um 1800, Böblingen 1971, (Veröffentlichungen des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V. Band 11), S. 126-128.

Autor: Felix Burkhardt

Foto: Das schmucke Schulhaus in Mönchberg wurde im Jahre 1877/78 erbaut. 1855 hatte die Herrenberger Oberamtsbeschreibung noch festgestellt, das Schulhaus sei ein "unansehnliches Gebäude". (Aus: Herrenberg - Stadt und Amt in alten Ansichtskarten, hrsg. von T. Schmolz und R. Janssen, Herrenberg 1988, S. 95).
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Die Schule in Mönchberg (das kirchlich bis 1833 zu Gültstein gehörte) dürfte in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege gegründet worden sein. Friedrich Müller wurde 1652 Schulmeister im Ort. Er war Soldat gewesen, stammte aus Striegau in Schlesien und stand im Alter von 52 Jahren. Pfarrer und Einwohner hatten ihn als Schulmeister angenommen. 1653 hatte er nur 9 Knaben und 7 Mädchen in seiner Schule. Schon bei der ersten Schulbesichtigung fand er "ein gar gut Lob". ...
Um 1659 übernahm Hans Georg Weyl von Herrenberg den Schuldienst. Er war 28 Jahre alt und hatte das Schneiderhandwerk erlernt. Auch ihm wurde ein gutes Zeugnis erteilt. 1663 hatte er 28 Schüler, 17 Knaben und 11 Mädchen.
Als Winterschulmeister wird 1667 und 1672 David Krönig, Bürger und Schütz zu Mönchberg, genannt. 1667, als er 10 Knaben und 8 Töchter unterrichtete, war man mit ihm zufrieden. 1672 "hat er 12 Schulkinder gehabt und sie im Lesen wohl unterrichtet, die aber schreiben lernen, gehen nach Kayh in die Schul".
Sein Nachfolger wurde ein "Ausländer", Hans Kipp aus dem Lande Braunschweig im Herzogtum Hannover. 1676 wurde er von dem Spezial examiniert. Im Winter unterrichtete er jeden Wochentag. Im Sommer begnügte man sich mit einigen Unterrichtsstunden, die an den Sonn- und Feiertagen vor der Morgenpredigt und am Dienstag nach der Wochenpredigt gehalten wurden. Mit dem Gesang mühte sich der Schulmeister, doch kam er "etwas schwerlich" damit zurecht; ... Schwierigkeiten gab es mit der norddeutschen Aussprache: "allein verstehen ihn die Kinder wegen seiner Lüneburgischen Sprache nicht gar wohl".
Bei der Schulvisitation 1679 war Jung Michael Noppel 18 Monate im Schuldienst zu Mönchberg, jedoch noch nicht examiniert und konfirmiert (von der Behörde bestätigt). Er stammte aus dem Ort; 18 Knaben und 6 Mädchen waren ihm anvertraut. Den gestellten Anforderungen entsprach er augenscheinlich nicht ganz; man fand "mit diesem ist es schlecht bestellt". Er war aber fleißig, verträglich und diensthaft. 1682 verstarb er.
1683 wurde Abel Maier (Mayer), ein Knapp von Herrenberg, 27 Jahre alt, von den Mönchbergern zum Schulmeister bestellt. ... Bescheidenen Ansprüchen scheint er genügt zu haben. "Versteht nicht viel, tut bei der Jugend, was er kann, führt unärgerlichen Wandel", vermerkt man 1684. ...

100 Jahre Schulmeister in Mönchberg: Die "Schulmeistersippe" Krönig (1696-1796)

Hans Georg Krönig, ein Bauer und Weingärtner, 27 Jahre alt, übernahm 1696 den Dienst und behielt ihn über 30 Jahre. Die Einwohner hatten Grund, mit sich zufrieden zu sein. Über seinen Lebenswandel brauchten sie nicht zu wachen, hatten es auch nicht nötig, ihn zum Fleiß zu ermahnen. Selbst im Winter 1726, als er viel kränkelte, verrichtete er den Dienst nach besten Kräften. Wegen seines guten Unterrichts wurde er sonderlich gerühmt (1708). Er hielt auch Gottesdienst mit Singen, Bibellesen und Gebet ab. An Besoldung erhielt er vom Flecken Gültstein 4 Gulden 20 Kreuzer, von der Kirche 10 Gulden 20 Kreuzer, vom Flecken 6 Gulden 20 Kreuzer; dazu kamen 4 Scheffel Roggen, 4 Scheffel Dinkel und 2 Klafter Holz. Das Schulgeld, der Mesnerlaib, die Gebühren bei Hochzeiten und Begräbnissen, die Gerichtsschreibereinkünfte brachten etwa 20 Gulden ein, so dass er auf ein Einkommen von 60 Gulden kam.1*
Nach seinem Tod im Jahre 1729 übertrug man den Dienst dem Sohn Johann David Krönig.2* ... Wie sein Vater, so bewährte er sich als fleißiger Mann, der ordentlich seinen Unterricht hielt und der Schuljugend mit gutem Exempel voranging. Die Erfolge stellten sich ein: die Kinder nahmen spürbar an Wissen und Fertigkeiten zu. ...
Bei Hochzeiten hatte der Schulmeister Anspruch auf eine Hochzeitssuppe. Nun hatte es sich eingebürgert, ihn mit einem Geldbetrag für den Anspruch zu entschädigen. 1743 bat er, man möge ihm die Hochzeitssuppe in dem Wirtshaus, wo die Hochzeit gehalten werde, in natura reichen. Die Gemeinde neigte dazu, es bei der bisherigen Gewohnheit zu belassen. Es zeigte sich jedoch, dass solches Verbleiben durch die Privatinteressen des Schultheißen, der die Hochzeiten in seinem Haus hielt, beeinflusst war. Der Visitator hielt es für angebracht, dass der Bitte des Schulmeisters gewillfahrt werde, zumal auch in anderen Orten es in gleicher Weise gehandhabt wurde.
Weil der Schulmeister die Zucht zu hart geübt hatte, dass man die Spuren der Züchtigung noch nach 8 Tagen sah, wurde er vom Visitator bestraft.
1755 besuchten 34 Schüler den Unterricht. Die Schulstube befand sich nicht im besten Zustand. Man sah sich veranlasst, das Oberamt zu bitten, sich für eine Änderung einzusetzen, damit "dem Dampf in der Schulstube" abgeholfen werde. Es sei für die Gesundheit der Kinder erforderlich; auch den Eltern müsse daran gelegen sein.
1763 wählte die Gemeinde den 22jährigen Johann David Krönig (II.) zum Schulmeister. Er war am 8. 11. 1741 in Mönchberg geboren. Im Winter hielt er täglich 5 Stunden Unterricht, im Sommer an vier Tagen je zwei Stunden. Da kein eigenes Schulhaus vorhanden war, wurde die Schule im Rathaus gehalten.3* Mit lobenswürdigem Fleiß und unklagbarer Aufführung hielt er sich im Amt und Leben. 1789 gewann der Visitator von der Mönchberger Schule einen guten Eindruck. Etliche Jahre später, 1792 wurde sie "aber um der harten Köpfe und der Armut der Eltern willen, die ihre Kinder zur Erwerbung des Brotes gebrauchen, in sehr mittelmäßigem Zustand" befunden. Krönig war ein ordentlicher Schulmeister, gut und ehrlich, wohl von niederen Gaben, aber desto größerer Treue, der sich mit den harten Köpfen seiner Schüler viel Mühe gab, sich jedoch nur kümmerlich nähren konnte. Seine große Armut und seine schlechte Besoldung erlaubten es nicht, seine Bildung zu erweitern. Er hatte weder Geld noch Zeit und Geschick, neuere Bücher zu erwerben und zu lesen. Schwer lasteten auf ihm die Sorgen des Lebens. Unter seinen neun Kindern hatte er vier Simpel und eine 14jährige Tochter, die noch nicht laufen konnte. Im Winter 1793/94 hatte er das Unglück, in einer "Ipsgrube" (Gipsgrube), in der er notgedrungen arbeitete, verschüttet zu werden und beinahe das Leben zu verlieren. Sein einziger brauchbarer Sohn, der mit ihm die Familie ernähren musste, ..., musste Soldat werden. Doch wurde er nach 4 Wochen wegen eines Hauptgebrechens wieder entlassen und nach Hause geschickt. Nur die Religion gab ihm Kraft in diesem trübseligen Leben. ...
1796 trat Johann Jakob Majer von Schopfloch hier seinen ersten Dienst an. Seine 46 Schüler unterrichtete er im Winter von 8 bis 10 und von 12 bis 3 Uhr. Die Schule wurde noch auf dem Rathaus gehalten. Wenn im Sommer in Mönchberg gepredigt wurde, so war nach der Predigt von 8 bis 10 Uhr Schule. Majer erhielt das Zeugnis: "Braver Mensch, fleißig in allem, halte die Schulkinder zu allem Guten an". Er war nicht arm zu nennen und besaß ein mittelmäßiges Vermögen, das in Feldgütern bestand. Ohne diese Güter konnte er kaum bestehen. Nebenher betrieb er die Feldmesskunst, vernachlässigte jedoch die Schule in keiner Beziehung; setzte sich vielmehr mit Fleiß für sie ein und brachte sie "alle Jahre in größeren Flor" (Blüte). Seine Schulstube sollte schon 1815 verbessert werden; leider ließ diese Verbesserung auf sich warten. Die Amtswohnung im Rathaus war 1821 nicht mehr bewohnbar. Von der Gemeinde erhielt er einen kleinen Hauszins und wohnte in seinem eigenen Haus. 1821 hatte er 71 Schüler; seine Besoldung betrug 153 Gulden.
1851 befand sich die Schule in einem unansehnlichen Gebäude, in dem auch der 1851 errichtete Gemeindebackofen untergebracht war. Der Schulmeister bewohnte ein Haus, das der Gemeinde gehörte und in der Nähe der Kirche lag.

1

1 Gulden (fl) = 60 Kreuzer (kr). Nach der Währungsumstellung entsprach 1 Gulden ca. 1,71 Mark. Legt man für eine grobe Währungsumrechnung bestimmte aktuelle Lebensmittelpreise zugrunde, dürfte ein Kreuzer etwa den Gegenwert von 0,80 gehabt haben. Die Guldenwährung im süddeutschen Raum bestand von ca. 1550 - 1875.

2

In vielen Gemeinden finden sich solche regelrechten Schulmeistersippen, z. B. die Walker in Aidlingen und die Mammel aus Kuppingen.

3

Winterschüler hatte er im Jahre 1763 16 Knaben und 20 Mädchen, Sommerschüler 15 Knaben und 16 Mädchen. 1773 war seine Schule auf 52 Winter- und 44 Sommerschüler angewachsen.

Der Text wurde gekürzt.

Mit freundlicher Genehmigung des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V.

Aus dem Vorwort zur Schulgeschichte von Karl Heß
Literaturhinweis zum Thema "Schulgeschichte"
Johann Michael Bruhn
Die frühe Lehrerfortbildung im jungen Königreich Württemberg.
Wissenschaftliche Arbeit für die Diplomprüfung in Erziehungswissenschaft Studienrichtung Erwachsenenbildung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.
Die Arbeit wurde im Internet publiziert: http://www.jmbruhn.de/

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