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Christian Wagner - Bauer und Dichter zu Warmbronn


Quelle: Kennzeichen BB Heimatkunde für den Landkreis Böblingen. Verlag Waldemar Lutz, Lörrach und Ernst-Klett-Verlage, Stuttgart 1987, S. 130

Autor: Harald Hepfer

Bild: Christian Wagner mit seiner Tochter Luise im Jahre 1912 (Foto: Christian-Wagner-Gesellschaft - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern

Christian Wagner wurde geboren am 5. August 1835 in Warmbronn, einem damals noch kleinen Dorf mit 670 Einwohnern. Sein Vater war Schreiner und betrieb eine kleine Landwirtschaft. Die Eltern wollten den schmächtigen Knaben zum Lehrer ausbilden lassen. "Es war dazumal eine sehr schlechte Zeit für den kleinen Handwerker und Landwirt", so dass er nach wenigen Wochen die "Präparantenanstalt" des Lehrerseminars in Eßlingen wieder verlassen musste, um zu Hause in der Landwirtschaft zu helfen.

In dem kleinen Bauernhaus lebten drei Familien, die jeweils zwei kleine Zimmer bewohnten, dazu eine kleine Küche. Die Wagners besaßen 2-3 Stück Vieh. Auf den Äckern bauten sie Dinkel, Hafer, Weizen, Gerste, Kartoffeln, Flachs, Viehfutter an, auch Hopfen und Weber-Karden. Doch die Arbeit auf dem "Gütlein" reichte nicht aus, um die Familie mit vier Kindern zu ernähren. Wagner verdingte sich als Taglöhner beim Eisenbahnbau und Wegbau, als Holzfäller und als "Schorer". Nie verkaufte er seine Kälber an den Metzger. Dagegen kaufte er mit seinem letzten Geld einem Wirt drei Gänse ab, die dieser zum Mästen verkaufen wollte. 35 Jahre begleiteten die Gänse den kleinen Mann, mit schlohweißem Haar und eindrucksvollem Gesicht. Seine Katze erwartete ihn am Waldrand, wenn er zu Fuß aus Stuttgart zurückkam, wo er Bücher entlieh. Auf seinen Äckern ließ er das Unkraut stehen, denn das Rot des Klatschmohns und das Blau der Kornblumen waren ihm unverletzlich.

Bild: Das Christian-Wagner-Haus in Warmbronn. Die Familie Wagner zog 1834 in das Fachwerkhaus ein. Christian Wagner wurde hier 1835 geboren und bewohnte mit seiner Frau und 4 Kindern eine Stube, Kammer, Küche und Dachboden. Nach dem Tode des Dichters im Jahre 1918 blieben die Räume als Erinnerungsstätte erhalten. Seit 1972 führt die Christian-Wagner-Gesellschaft das Haus als kulturelle Begegnungsstätte - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern

Wagnerhaus Warmbronn In den wenigen Freistunden, besonders an den Sonntagnachmittagen, wanderte Wagner in den Wäldern der Umgebung umher. Und neben der harten Alltagsarbeit schrieb er Gedichte. In seinem Werk "Sonntagsgänge" stehen Gedichte von Blumen und Menschen, von Geburt und Tod, von Leben und Wiederkehr des Lebens in immer neuen Verwandlungen und Verkörperungen. Diese Gedichte weisen Christian Wagner als einen großen und besonderen Dichter aus. Hermann Hesse nannte ihn "einen Dichter von der alten, heiligen Art, einen Seher und Gläubigen". Mit Grund, denn Wagner predigte als erster in deutscher Sprache die Ehrfurcht vor dem Leben. Die "Rechtsanerkennung und, daraus hervorgehend, die Achtung und Schonung alles Lebendigen", dies hat uns Christian Wagner gelehrt und vorgelebt. Er sagte:

"Ich möchte eine größere Wertschätzung des Lebens einführen, nicht gleich der Menschenschätzung nach Mark oder Gulden, sondern nach seinem eigentlichen unbezahlbaren Lebenswert, wo das Gnadenbrot äßen in deinem Hause bis an ihr Ende die Gespielen deiner Kinder, das Kätzchen und der Hund, sowie die gute Nährmutter derselben, die milchgebende Kuh und die eierlegende Henne. - Wo der Markstein stünde gegen die Härte, den Eigennutz und den Undank der Menschen."

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors, des Verlages Waldemar Lutz in Lörrach und der Ernst Klett Verlage, Stuttgart.

Christian-Wagner-Gesellschaft e.V., Warmbronn
Museen im Landkreis BB Christian-Wagner-Haus-Warmbronn

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