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Darmsheim>>Brand 1907

Der große Brand in Darmsheim

Brandkatastrophe im August 1907 vernichtet ein Drittel der Häuser

Quelle: Das 20. Jahrhundert im Spiegel der Zeit. Der Kreis Böblingen im Rückblick von 100 Jahren. Röhm Verlag Sindelfingen 1999

Foto: Darmsheim am Tag nach dem Brand (Bild: Archiv Groß) - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern

Alles schien in Darmsheim an jenem schicksalsschweren 20. August 1907 in gewohnten Bahnen zu verlaufen. Das Wetter war gut, ein großer Teil der Bewohner war auf den Feldern damit beschäftigt, die Ernte einzubringen. Alle waren glücklich; denn das Wetter hatte das Jahr über mitgespielt und eine reiche Ernte beschert. Die Scheunen im Ort waren gut gefüllt.

Doch plötzlich, gegen 2 Uhr, habe er "Feuer" rufen hören, berichtet Pfarrer Richter als Zeit- und Augenzeuge am nächsten Tag. Dann geht alles rasend schnell. "Vom Sturmwind gepeitscht und angefacht", wie es in den örtlichen Zeitungen beschrieben wird, fressen sich die Flammen in ungeheuerer Geschwindigkeit von Haus zu Haus.

Die Feuerwehren aus der näheren Umgebung und sogar die Berufsfeuerwehr aus Stuttgart rücken an, um zu retten, was zu retten ist. Das Wasser aus den Hydranten und aus der Schwippe reicht aber nicht, um dem Flammenmeer Herr zu werden. Besonders lobt Pfarrer Richter die Böblinger Feuerwehrmänner, denen es gelingt, die Kirche zu retten, nachdem die Kirchturmspitze Feuer gefangen hatte. Bis 21 Uhr brennt das Ortszentrum lichterloh. Erst am nächsten Morgen um acht Uhr kann die Stuttgarter Wehr abrücken. Die Bilanz ist schrecklich. Rund 70 Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind vernichtet, 58 Familien obdachlos. Die Bewohner haben so gut wie nichts retten können, da sie von den Feldern nicht schnell genug zu ihren Häusern gelangt sind. Viele noch heute in Darmsheim bekannte Familiennamen stehen auf der Liste der Abgebrannten: Buck, Elsenhans, Hagenlocher, Krauß, Kienle, Schäfer, Dreher und Moroff. Aber auch kleine Wunder werden registriert. Obwohl rundherum alles verkohlt ist, bleibt die Bäckerei Sauter von den Flammen verschont. Ein kleines Mädchen, das als vermisst galt, ist am Leben geblieben.

Katastrophentourismus und Hilfsbereitschaft
Damals wie heute siegt die Neugier über das Leid. Während der folgenden Tage kommt es zu wahren Völkerwanderungen. Von brechend voll besetzten Zügen wird berichtet, die sich am Bahnhof von Schafhausen leeren. Mit Fuhrwerken, Fahrrädern und Autos wird das leidgeprüfte Darmsheim heimgesucht. Aber aus der Not wird auch eine Tugend gemacht. An den Ortseingängen werden Spendentöpfe aufgestellt.

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß. Tief erschüttert meldet sich König Wilhelm aus Friedrichshafen in einem Telegramm und lindert die gröbste Not mit einer Spende von 1.000 Mark . Herzog Albrecht von Württemberg spendet 300 Mark und in Berlin sammeln die Berliner Schwaben für die betroffenen Familien in Darmsheim. Die Summe der "Liebesgaben" klettert bis zum 25. September auf 37.000 Mark und bis zum 30. Oktober sogar auf 100.000 Mark. Am 29. August wird festgestellt, dass weder spielende Kinder noch eine Selbstentzündung für die Katastrophe verantwortlich sind. Wahrscheinlich ist das Inferno auf einen Kaminfehler zurückzuführen. Zwei Tage darauf verkündet die Gebäudebrandversicherungsanstalt, dass sich der Gebäudeschaden auf 275.000 Mark beläuft.

300 Bauarbeiter
Der neue Bebauungsplan ist am 22. September fertig. Schon bald entwickelt sich eine rege Bautätigkeit. Zeitweise sind 300 Arbeiter in Darmsheim beschäftigt. "Doch nur wenigen wird es möglich sein, ihr neues Heim noch vor der kalten Jahreszeit unter Dach zu bringen", heißt es in der Zeitung.

Am 30. April 1908 wird gemeldet: "Ein neuer Ortsteil steht fertig da. Es sind schmucke zweistöckige Wohnhäuser, einige mit geschmackvollen Erkern geziert, Scheuer und Stallung meist vom Wohnhaus getrennt. Stattlich erhebt sich an der Straßenkreuzung ein modernes Kaufhaus, in dem sich auch die Postagentur befindet". Lediglich am Pfarrhaus und zwei Privathäusern werde noch gebaut.
Mit freundlicher Genehmigung der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung

Am Mittwoch, den 21. August 1907 erschien eine Extra-Ausgabe des Böblinger Boten zum großen Brand in Darmsheim.

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