Von Thomas Alf

Früheste Spuren menschlicher Besiedlung in Sindelfingen

Bereits im Jungneolithikum (ca. 3950–2700 v. Chr.) dürfte die Sindelfinger Gemarkung, von Menschen bewohnt gewesen sein – gut eintausend Jahre vor Entstehung der Hügelgräber im Eichholzwald. Nachweise solcher frühen Siedlungen fanden sich ganz in der Nähe: im heutigen Gewann Hinterweil und in der Landhaussiedlung Maichingen.

Die Menschen dürften die fruchtbaren Lehmlößböden für den Ackerbau genutzt haben, der Hinterweiler Bach und die Schwippe lieferten das lebenswichtige Wasser. Auch Wald als Rohstoffquelle war vermutlich vorhanden. Das Gebiet um den Eichholzwald bot den Menschen also schon vor über fünftausend Jahren gute Lebensbedingungen.

Das Gebiet dürfte sich von der heutigen Pfarrwiesenallee über das Gewann Hinterweil bis zur Stuttgarter Straße/Aspenschopfkreuzung Richtung Magstadt erstreckt haben. Der Name „Eichholz“, den man heute vor allem mit der in den 1960er Jahren entstandenen Wohnsiedlung verbindet, ist bereits seit dem Mittelalter, seit den Zeiten des Sindelfinger Stifts, nachweisbar. Er verweist auf den hohen Bestand an Eichenbäumen, der bis heute charakteristisch für diesen Teil des Sindelfinger Stadtwaldes ist.

Hügelgräber im Eichholzwald

Ein besonders bedeutendes Zeugnis der frühen Besiedlung waren die Hügelgräber, die 1957 im Zusammenhang mit dem Bau des Gewanns Spitzholz vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht und dokumentiert wurden. Alte Forstkarten und Unterlagen aus dem Stadtarchiv erlauben heute eine genaue Zuordnung: Das damalige Gräberfeld lag im Bereich des heutigen Hohloh-/Belchenweg-Areals, das damals noch zum Waldbezirk Distrikt I, Abteilung 5 Eichholz gehörte (vgl. Abb. 1). In der Karte des Schwäbischen Albvereins sind die Grabhügel ebenfalls an dieser Stelle vermerkt.

Insgesamt umfasste das Gräberfeld 16 Hügel, die sich in eine nördliche und eine südliche Gruppe gliederten. Der größte Hügel war 1,80 Meter hoch, die meisten jedoch zwischen 30 Zentimeter und einem Meter – bei Durchmessern von bis zu 20 Metern. Viele Gräber zeigten deutliche Spuren früherer Ausgrabungen, etwa Kreuzschnitte und Gruben, vermutlich durch sogenannte „Schatzgräber“.

Diese Fundstücke werden heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aufbewahrt, sind aber nicht öffentlich zugänglich.

Ausgrabungen und Forschungsergebnisse

Über die Grabungen berichtete Hartwig Zürn bereits 1957 in der Beilage „Schönbuch und Gäu“ der Kreiszeitung Böblinger Bote. 1959 folgte eine Beschreibung der Funde in den „Fundberichten aus Schwaben“.

Viele Hügel waren bereits vor den offiziellen Ausgrabungen geöffnet worden. Zeitzeugen berichteten, dass um 1920 ein „Schatzgräber“ aus Maichingen besonders aktiv gewesen sein soll. Über mögliche Funde dieses Mannes ist jedoch nichts bekannt.

Im Gegensatz zu Holz, dem damalige Hauptwerkstoff, der schnell verrotten kann, überdauern Keramikreste und Bronzeobjekte viel besser und öfter und erlauben eine zeitliche Einordnung. So konnte die südliche Hügelgruppe der Urnenfelderzeit (ca. 1200–800 v. Chr.) zugeordnet werden, während die nördliche Gruppe wahrscheinlich aus der Hallstattzeit (ca. 800–450 v. Chr.) stammt – also in die Frühzeit der keltischen Kultur fällt.

Funde und Erdbefund können durch Wurzelwachstum, Tiergänge und andere Erdbewegungen beschädigt sein. Trotzdem sind sie zur Datierung sehr wertvoll. So war auch die gefundene Urne zerdrückt und musste erst sorgfältig geborgen werden. Im Anschluss wurden die Scherben von einem Restaurator aufwendig zusammengesetzt.

Nach Abschluss der Ausgrabungen wurden die Hügel vollständig abgetragen. Von der ehemaligen Kultstätte der Sindelfinger Vorfahren ist heute nichts mehr sichtbar.

Vergleichbare Fundstellen im Sindelfinger Stadtwald

Wer dennoch ein Gefühl für diese frühen Grabstätten bekommen möchte, kann heute zwei erhaltene Hügelgräber im Sindelfinger Stadtwald, also ganz in der Nähe, besuchen:

Beide sind vom Forstamt ausgeschildert und bei einem Spaziergang gut zu erreichen.

Schlussbetrachtung

Steht man vor einem solchen Erdhügel, mag er unspektakulär, ja unscheinbar wirken. Gerade wenn man bedenkt, dass bereits eintausend Jahre früher in Ägypten riesige Grabanlagen in Form der Pyramiden gebaut worden waren. Trotzdem sind auch die Hügelgräber und die Grabbeigaben faszinierende Zeugnisse längst vergangener Zeiten, die es zu bewahren gilt.

Dank und Quellen

Ein herzlicher Dank geht an Klaus Philippscheck, Markus Klas (Sindelfinger Forst), Illja Widmann (Sindelfinger Stadtmuseum), Robert Krülle (Kreiszeitung Böblinger Bote), Andrea Panitz und Stefanie Paprotka (Regierungspräsidium Stuttgart), an das Team des Stadtarchivs Sindelfingen sowie Dr. Felicitas Schmitt vom Landesamt für Denkmalpflege für ihre Unterstützung und Bereitstellung wertvoller Informationen. Besonderer Dank gilt Oliver Göbel vom Kreisarchiv Böblingen, der die fachliche Aufarbeitung der Unterlagen begleitet und die redaktionelle Überarbeitung des Textes maßgeblich unterstützt hat.

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Quellen und Literatur

o. Verf., Sindelfingen (Kr. Böblingen), in: Fundberichte aus Schwaben. Neue Folge 15 (1959), S. 149 – 150 sowie Tafel 24.

Reinhard Rademacher, Die mittelneolithischen Siedlungsreste im „Hinterweil“ bei Sindelfingen, Kreis Böblingen, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg Bd. 17 Nr. 1 (1992) S. 143 – 172.

Hartwig Zürn, Vorgeschichtliche Grabhügel bei Sindelfingen, in: Kreiszeitung Böblinger Bote, Beilage „Schönbuch und Gäu“ 08/1957, S. 31 – 32.

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Der Autor

Thomas Alf betreibt einen Stadtteilblog mit Schwerpunkt auf Sindelfingen, insbesondere dem Stadtteil Eichholz, sowie dem Landkreis Böblingen. Seine Interessensschwerpunkte sind die lokale Geschichte und die Rekonstruktion historischer Entwicklungen anhand unterschiedlicher Quellen. Dabei legt er besonderen Wert auf sorgfältige Recherche, kritische Prüfung und eine verständliche Darstellung auch komplexerer Zusammenhänge.