Der Klassiker unter den Neutralseifen
Das HAKAWERK in Waldenbuch
Autorin: Susanne Schmidt
Schokolade und Neutralseife – diese beiden Produkte bilden, wirtschaftlich gesehen, die Hauptstandbeine der Stadt Waldenbuch. Während sich die Firma Ritter bereits 1930 hier niedergelassen hatte, verlegten die beiden Stuttgarter Hans Kunz und Wilhelm Schlotz den Geschäftsbetrieb des HAKAWERKES im Jahre 1947 von Stuttgart nach Waldenbuch.
Wilhelm Schlotz und Hans Kunz hatten 1946 eine legendäre Erfindung gemacht, von der Generationen von Hausfrauen profitieren sollten: die sog. „Neutralseife“. 1954 errichtete das HAKAWERK sein erstes Fabrikgebäude in Waldenbuch. In den 60er Jahren erwarb die expandierende Firma von der Deutschen Bundesbahn das Gelände des 1956 stillgelegten Bahnhofs im unteren Aichtal.
1961 wurde das HAKAWERK auf Grund von Uneinigkeiten der Inhaberfamilien aufgespalten. Produziert wurde jedoch weiter gemeinsam. Die Vertriebsgebiete wurden unter den beiden Gründern aufgeteilt und getrennt bearbeitet. Im Jahre 1990 spaltete sich das Unternehmen endgültig in die Firmen HAKAWERK W. Schlotz GmbH und HAKA Kunz GmbH auf. Die Gebäude der beiden Firmen befinden sich noch heute in Waldenbuch direkt nebeneinander. Auch das Kernprodukt Neutralseife findet man sowohl in der Produktpalette der HAKAWERK W. Schlotz GmbH als auch bei der HAKA Kunz GmbH wieder.
Die Neutralseife ist auch heute noch das bekannteste Produkt des HAKAWERKS. Der hautfreundliche und umweltschonende Universalreiniger hat sich zum absoluten Klassiker auf dem Reinigungsmittelmarkt entwickelt. Daneben wird eine ganze Produktpalette an Putz- und Waschmitteln, sowie Artikel für die Körperpflege angeboten. Wie in den Gründungstagen des Unternehmens werden die Produkte auch heute noch im Direktvertrieb vermarktet. Ein großer Teil der Mitarbeiter, – im Jahre 1999 waren es über 3000 -, ist daher im Außendienst beschäftigt. Seit 1991 werden alle leeren Verpackungen wieder zurückgenommen und dem Recycling zugeführt. Dafür wurde die HAKAWERK W. Schlotz GmbH im selben Jahr vom Landkreis Böblingen für das beste Müllkonzept ausgezeichnet. Seit 1992 ist der Neutralseife-Eimer eine Kreislaufverpackung: „Einmal Eimer – immer Eimer“ lautet der griffige Slogan.
Aus dem Firmenarchiv: LKW des HAKAWERKS in den 50er Jahren. (Foto: HAKAWERK W. Schlotz GmbH)
In seiner 1989 erschienenen „Geschichte der sieben Stadtteile auf sieben Hügeln der Stadt Waldenbuch“ zeichnete der Lehrer und SPD-Gemeinderat Hans-Joachim Ziegler ein einfühlsames Portrait der Firma:
Ein Ingenieur aus dem Flugzeugbau und ein Kaufmann aus der Chemiebranche hatten durch die Zerschlagung und Demontage der deutschen Industrie in den Großstädten ihre Lebensgrundlage verloren. Sie taten sich in Waldenbuch zusammen, um mit ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung ein Produkt herzustellen, mit dem sich eine neue Existenz aufbauen ließ. Sie erfanden die „Neutralseife“. Was gab es in der Besatzungszeit an Waren schon zu kaufen, an allem herrschte Mangel. So fanden sie für ihre nach eigenem Mischrezept hergestellte Schmierseife schnell Abnehmer. Die Produktion wurde von Hand begonnen, es war ja schon schwierig genug, die Rohmaterialien und die Verpackung zu beschaffen. Den Grundstein für das heute so mächtige Hakawerk in der Bahnhofstraße legte eine Handvoll Männer in einem unbenutzten Raum, des sog. „Trockenhauses“ am Fuße des Ramsbergs. Zwei Ideen waren das Erfolgsrezept, das einer ganzen Stadt Wohlstand und Hunderte von Arbeitsplätzen brachte. Sie waren genauso durchschlagend einfach wie die Idee der Schokoladenfabrik Ritter, immer dieselbe quadratische Schokoladentafel mit immer neuen Füllungen zu variieren und so die mühselige Einzelherstellung von Pralinen für die moderne durchrationalisierte Massenproduktion zu erschließen – Luxus demokratisiert. Bei der Schmierseife war es der Gedanke, daß man mit einer Seife guter Qualität eigentlich alles reinigen kann. Was konnte in der armen Nachkriegszeit besser überzeugen, als diese universelle Anwendung der dickflüssigen Neutralseife aus dem Eimerle.
Die zweite Idee war der Vertrieb. Wo es kaum Verkehrsmittel gab, gab es kein Verteiler-System. Also mußte man es selbst machen, im Direktverkauf an der Haustür. Mitarbeiter fand man in den Flüchtlingslagern aus allen Schichten und aus allen Gegenden Deutschlands. Das Vertrauen der Hausfrauen nur über die Qualität des einen Produkts zu gewinnen, war Pionierarbeit. Aber wer den Erfolg dieses Rezepts, das mit dem Slogan antrat, „Auch Ihr Baby können Sie ohne Tränen darin baden“, sehen möchte, der braucht nur ins Neubaugebiet Mühlhalde zu gehen und ins Aichtal auf die Produktionsanlagen und den Fuhrpark des Hakawerks hinabzublicken“.
Herstellung von Neutralseife in den Anfangsjahren des HAKAWERKS. (Foto: HAKAWERK W. Schlotz GmbH)
Quelle: zeitreise bb
Literatur:
Hans-Joachim Ziegler, Geschichte der sieben Stadtteile auf sieben Hügeln der Stadt Waldenbuch, Waldenbuch 1989, S. 145-46
Anne Lipp/Andreas Schmauder: Ein Jahrhundert Leben in Waldenbuch. Vom Kaiserreich bis zur Gegenwart, WEGRAhistorik-Verlag, Stuttgart 1996, S. 126-27
Informationen zur Firma HAKAWERK W. Schlotz GmbH, ihren Produkten und den Öffnungszeiten des Werkverkaufs finden Sie im Internet unter www.hakawerk.de
Informationen zur Firma HAKA Kunz GmbH, ihren Produkten und den Öffnungszeiten des Werkverkaufs finden Sie im Internet unter www.haka.de